Lasst alle leben, wie sie sein wollen! 

Speakers Corner am Robert-Blum-Gymnasium, Schöneberg

In der Speakers Corner des Robert-Blum-Gymnasiums ist Platz zum Diskutieren, Meinungen bilden und ausformulieren, Zuhören und auch zum Streiten. In Theaterszenen und Vorträgen präsentieren verschiedene Schüler:innen-Gruppen ihre Meinungen, Perspektiven und Wünsche zu gesellschaftspolitischen Themen, die uns alle angehen und finden in einen gemeinsamen Austausch, in der alle Stimmen Gehör finden.

An einem sonnigen Januarmorgen darf ich das Projekt ‚Speakers corner‘/Lasst alle leben, wie sie sein wollen! am Robert-Blum-Gymnasium besuchen. Unter der Leitung der Künstlerin Nina Behrendt haben zwei Schulklassen gemeinsam zu Themen gearbeitet, die ihnen am Herzen liegen. Klimawandel, Frauenrechte, Rassismus, Diskriminierung: Es sind große Themen und großartige Reden. Und da es in dem Projekt vor allem genau darum geht, zu reden und gehört zu werden, lasse ich am besten fünf Schülerinnen kurz erzählen, was sie in ihrem Projekt gemacht haben.

Was macht ihr in eurem Projekt?

Wir haben das Thema „Streitkulturen“ und jeder konnte sich Unterthemen aussuchen. Die haben wir zusammengetragen und Gruppen gemacht und in den Gruppen Theaterszenen oder auch Vorträge gehalten über Sachen, die wir zum Beispiel ungerecht finden. Am Anfang wurde jeder gefragt, mit welchem Thema er/sie sich gerade beschäftigt, und dann kamen die Themen zustande. Dann haben sich alle zusammengefunden, die das gleiche Thema hatten. Wir hatten z.B. Themen wie Toleranz oder Umweltkrise und ich fand es cool, einfach mal darüber zu sprechen. Wir dürfen teilweise auch selbst entscheiden, wie wir es machen wollen. Wir müssen nicht immer das machen, was die Lehrer:innen wollen, wir können auch selber, wie wir es wollen die Sachen machen.

Was würdet ihr sagen ist Streitkultur?

Für mich ist Streitkultur einfach Streit. Also es ist auch wichtig, sich zu streiten, weil man damit sehr viel aussagen kann. Ich glaube Streitkultur steht auch dafür, dass es so viele Arten gibt, sich zu streiten. Ich würde auch sagen, dass es viele Arten gibt, das auszudrücken, zu diskutieren und seine Meinung zu sagen.
Also ich finde es gibt verschiedene Arten von Streitkultur. Wenn man sich mit der Familie streitet oder sich mit seinen Freunden streitet. Ich finde gut, dass es Streitkultur gibt, denn davon kann man sehr viel lernen. Es macht auch Spaß.

Was soll euer Publikum aus eurem Stück mitnehmen?

Dass die Menschen über die Dinge, die wir gezeigt haben, ein bisschen nachdenken und sich Gedanken machen, was sie daran ändern können oder wie sie es besser machen können.

Dass die Leute bei z.B. Themen wie Rassismus auch darüber nachdenken und denken: vielleicht mache ich das ja auch selber und vielleicht sollte ich damit aufhören. Und, dass sie halt richtig darüber nachdenken, was sie machen.

Ich wünsche mir, dass die Leute sich das zu Herzen nehmen und darüber nachdenken und vielleicht auch etwas verändern. Denn Veränderung beginnt bei uns und wir müssen auch etwas an uns verändern.

Ich wünsche mir auch, dass die Leute erst mal zuhören. Es gibt sicher auch Leute, die sich mit dem was wir sagen, gut identifizieren können. Es gibt bestimmt viele Themen, die auf uns zutreffen. Z.B. die Sachen die wir einkaufen, Klimawandel und Klimaschutz. Und dass die Leute vielleicht nicht nur darüber nachdenken, sondern es auch umsetzen. [Text und Interview von Emilia Schlosser]

Vielen Dank an Livia, Schania, Lina, Selma und Ela für das Interview!

SK1_Fritz-Karsen_Ballroom_c_FELD

Schüler:innen: Kulturklassen 7a und 8b
Künstler:in: Nina Behrendt
Pädagog:innen: Inke Kühl, Dr. Dorothea Ruthemeier
Kulturagent:in: Annika Niemann
Foto: Antje Materna

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